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Gelungene Rettung eines BahnhofesEin Stück Eisenbahngeschichte haben Maritta und Matthias Lehmann gerettet. Ausgesucht haben sie sich das Bahnhäuschen am ehemaligen Haltepunkt Obergräfenhain. Das Gebäude, das als Kulturdenkmal eingestuft wurde, ist in der Region einmalig. Es zeichnet sich gegenüber den Bahngebäuden an sonstigen Nebenstrecken durch einen völlig anderen Baustil aus.
Während üblicherweise einfache Gebäude mit Pultdach und Fachwerk ohne Ausfachung mit Holzverschalung vorherrschend waren, wurde hier eine Wartehalle parallel zum Gleis errichtet. Und im Verbund entstand auch ein Dienstraum mit Giebel zum Gleis. Beide Teile tragen jeweils ein Satteldach und haben Fachwerk mit Ausfachung, das zusätzlich noch eine Holzschalung hat. Sprossenfenster gaben dem Ganzen ein gemütliches Aussehen.
Mit der Betriebseinstellung der Strecke Altenburg-Narsdorf am 27. Mai 1995 kam das Aus für den kleinen Dienstposten in Obergräfenhain. Ein Lebenstraum von Matthias Lehmann bildete nun die Grundlage, um das Häuschen vor dem Verfall zu retten. Es sollte die Basis für ein kleines privates Eisenbahnmuseum bilden, welches sich der Lunzenauer schon seit Kinderzeiten wünschte. Und nun schien der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein.
Lehmann weiß, was er will. Und er weiß auch, daß er für ein derart gewagtes Vorhaben die Öffentlichkeit braucht. Deshalb hatte er eine originelle Idee, die in ihrer Umsetzung nicht weniger spektakulär werden sollte: Das Bahnhäuschen in einem Stück von Obergräfenhain nach Lunzenau transportieren.
Um dies zu realisieren, waren Partner erforderlich, denn aus eigener Tasche ist ein solcher Transport kaum zu bewältigen. Aber wie sich zeigte, gab es in der Region eine ganze Menge "verrückter" Firmenchefs, die das Vorhaben gern unterstützten. Und so konnte der Umzug am 20. September 1997 vonstatten gehen. Seither ist das Bahnhäuschen, welches auf dem Grundstück Burgstädter Straße 1 in Lunzenau, direkt an der Zwickauer Mulde, seinen neuen Platz gefunden hat, Blickfang für alle Passanten. Denn wer vermutet schon mitten in der Stadt einen Bahnhof, wenn weit und breit keine Gleise zu sehen sind? Das hat sich dann schnell geändert. Denn auch ein Stück Gleis wurde im Grundstück verlegt. Es beginnt und endet zwar im Nichts, aber immerhin. Nun waren Bahnhof und Gleis da. Was fehlte, war lediglich noch ein richtiger Zug. Aber auch den hatte Matthias Lehmann längst im Visier. Am 19. März 1998 war es soweit. Eine Rangierlok vom Typ N4 B, Baujahr 1957, die er vom Verein Lugauer Eisenbahnfreunde erworben hatte, wurde in Oelsnitz (Erzgebirge) mit einem Tieflader abgeholt und zunächst bei der Hartmannsdorfer Firma Bautechnik Chemnitz, die den Transport auch vorgenommen hatte, zwischengelagert. Doch bereits vier Wochen später, nämlich am 24. April, war der nächste große Tag gekommen. Seither steht die Lok auf dem Gleis im Lunzenauer Grundstück an der Mulde. Der Akt des Umsetzens der Lok von der Straße auf das tiefergelegene Grundstück war ähnlich spektakulär wie das Umsetzen des Bahnhäuschens.
Damit sind die wesentlichen Bausteine für das kleine Eisenbahnmuseum zusammengefügt. Der größte Traum, den Matthias Lehmann je geträumt hat, war von diesem Moment an wirklich fast Realität. Auch sein Frau Maritta, ohne die er seinen Wunsch hätte nie realisieren können (sagt er zumindest), hat sich in die Rolle der Eisenbahnerin hinein entwickelt.
Der Ausbau des Bahnhäuschens erwies sich jedoch
schwieriger als erwartet. Trotzdem ist nun wieder alles so, wie es früher
einmal war. Nach Originalvorlagen wurden zum Beispiel alle Fenster mit
Sprossung und die Eingangstür hergerichtet. Auch die Dachrinnen, die
Dacheindeckung, die Elektrik und sogar die Telefonanlage entspricht dem
historischen Vorbild. Und die Farbgebung wurde der königlich-sächsischen
Eisenbahn nachempfunden. Selbst das Bahnhofsschild wurde liebevoll restauriert,
wie überhaupt alle Schilder, die einmal an diesem Häuschen angebracht
waren, originalgetreu erneuert wurden. Mit der Eröffnung am 11. Juli
1998 lädt gleichzeitig auch die Gaststätte "Zum Prellbock" mit
25 Sitzplätzen sowie weiteren 50 Terrassenplätzen zum Besuch
ein. In der Gaststätte nimmt der Gast auf original königlich-sächsischem
Eisenbahnmöbel Platz. Außerdem findet man hier eine Eisenbahnmützensammlung,
die etwa 100 Exemplare umfaßt. Und Schaukästen, die regelmäßig
gewechselt werden sollen, zeugen von der Geschichte der Eisenbahn.
Neben dem besuch des kleinen Eisenbahnmuseums und
der Besichtigung der Rangierlok, lohnt sich stets auch ein Blick in den
ehemaligen Warteraum des Bahnhäuschens. Dieser Raum dient als Galerie,
die speziell dafür vorgesehen ist, daß hier Sammler ihr möglichst
skurriles Hobby präsentieren. Das allerdings muß nicht unbedingt
etwas mit der Eisenbahn zu tun haben. Man kann also gespannt sein.
Jens Arnold
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Impressum
Herausgeber: Eisenbahnmuseum & Galerie "Obergräfenhain"
Burgstädter Str. 1 - 09328 Lunzenau
Tel. 03 73 83 / 64 10 - Fax 03 73 83 / 63 86
http://www.prellbock-bahnart.de
Text: Th. Berger / J. Arnold
Foto; W. Sturm
Druck u. Verarbeitung: Druckerei Geringswalde
Die Broschüre entstand mit freundlicher Unterstützung des Landratsamtes Mittweida.
Schutzgebühr 0,50 DM
Literatur: 1998, A5-Heft, Museum "Haltepunkt Obergräfenhain" Lunzennau, Ein Bahnhof geht auf Wanderschaft
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